Wirkungsweise des Tango nach einem Schlaganfall

Lesen Sie hier einen kurzen Überblick über das Krankheitsbild des Schlaganfalls.
Erfahren Sie von der Wirkungsweise der Musik.
Und lernen Sie, was den Tango so therapeutisch wirksam macht.
Am Ende finden Sie ein kurzes Fazit.

Schlaganfall

Wie Sprechen zum Problem werden kann

Bei einem Schlaganfall kommt es plötzlich zu einem Zusammenbruch der Versorgung in einem bestimmten Gehirnareal. Dies geschieht entweder durch die Unterbrechung des Blutflusses, zum Beispiel bei einem Blutgerinnsel in dem Gefäß. Oder seltener kommt es durch eine Einblutung in wichtige Gehirnstrukturen zu einem Schlaganfall. Die Folge davon ist, dass der Betroffene schlag-artig

  • einen Arm oder ein Bein nicht mehr bewegen kann,
  • der Mundwinkel auf einer Seite herunterhängt,
  • das Sprechen nicht mehr richtig oder gar nicht mehr funktioniert oder
  • das Sehvermögen beeinträchtigt ist. 

Häufig kombinieren sich diese Symptome – je nach dem, wie groß der Schlaganfall ist. 

Wenn diese Symptome auftreten, sollte sofort die 112 gewählt werden. Denn nun geht es darum, möglichst schnell das Problem zu beheben, denn hier gilt, „Zeit kostet Gehirn“: je schneller die akute Hilfe kommt, desto besser ist die Prognose für den Betroffenen.

Kann nun nicht alles Gehirngewebe gerettet werden, sind die Lähmungen oder auch Sprach- und/oder Sehverluste zunächst bleibend. Sie können jedoch oft durch gezielte Rehabilitations-Maßnahmen im Ausmaß verringert werden. Hierbei kommen noch direkt im Krankenhaus Krankengymnasten, Ergotherapeuten und Logopäden zum Einsatz.

Wirkung der Musik

Die konventionellen Therapien können durch Musik-therapeutische Angebote ergänzt werden. Es ist in „Insider-Kreisen“ kein Geheimnis, dass sich Musik nach einem Schlaganfall positiv auf die Regeneration auswirken kann. Manche Betroffenen können kein Wort mehr sprechen, können jedoch die Volkslieder aus ihrer Kindheit mühelos mit vollständigen Liedtexten mitsingen. Der Schlüssel ist hier die Musik.

Kein anderer Sinneseindruck aktiviert so viele Gehirnareale auf einmal, wie Musik. Neben den Nervenzellen, die das Gehörte abbilden, dringen die Impulse über fein verzweigte Netzwerke in unsere Bewegungszentren, Gedächtnisareale und Schaltstellen der Emotionen und bis in fast jeden Winkel des Gehirns. Dies zeigen funktionelle MRT-Verfahren. Ein im funktionellen MRT abgebildetes Gehirn zeigt eine sehr vielfältige und großflächige Aktivierung*, während ein einzelner Ton oder Sprache für sich allein das Gehirn nur an wenigen selektiven Orten aktiviert.

In den Neurowissenschaften ist bekannt, dass wir die große neuronale Kapazität unseres Gehirnes im Normalfall gar nicht nutzen. Viel Gewebe wird kaum aktiviert. Es ist den Wissenschaftlern noch ein Rätsel, wozu wir so viel Hirngewebe brauchen, wenn wir nur einen so geringen Prozentsatz davon nutzen. Doch bei einem Schlaganfall ist genau diese Reserve goldwert. Denn die zuvor „schlafenden“ Nervenzellen scheinen auf ihren Einsatz nur gewartet zu haben. Gehen ihre Nachbarn zu Grunde, springen sie ein, feuern Impulse ab und spinnen neue Netzwerke. So können verloren gegangene Fähigkeiten wieder neu gelernt werden. Die Anwendung von Musik kann durch die großflächige Aktivierung diesen Prozess stark ankurbeln. Ein schnellerer und größerer Lernerfolg wird beobachtbar.

*Power of Music on the Brain | Dementia & Parkinson’s, ABC Science, 2016, https://www.youtube.com/watch?v=rnUSNbqtVJI (letzter Aufruf: 01.05.2023, 12:00 Uhr)

Wirkung des Tango

Eine Besonderheit beim Erlernen neuer Fähigkeiten ist: je mehr Sinneskanäle angesprochen werden beim Lernen desto erfolgreicher lernt das Gehirn. Je mehr Gehirnbereiche aktiv sind, desto besser und schneller wird der Betroffene seine Symptome über ein Neu-Erlernen bzw. ein Um-Lernen wieder los. Kommt dabei noch eine emotionale Komponente hinzu, dann kann das Gelernte noch fester verankert werden. Wenn man um die Aktivierungsmöglichkeiten von Musik weiß, leuchtet ein, warum hier ein bedeutendes Potential liegt. 

Ergänzt wird beim Integrativen Tango der Sinneseindruck des Gehörten, der gefühlvollen Musik, durch folgende weitere Sinnesreize:

  • Haptik und Temperatur: Berührungen und Wärme über Umarmung
  • Orientierungssinn: im Raum und auf dem Tanzboden
  • Propriozeption: die bewussten Stellungen der Gliedmaßen im Raum
  • Gleichgewichtssinn: ist in der Aufrechte aktiv
  • Geruch: Nähe zum Tanzpartner

Mit dieser Bandbreite an Sinneskanälen läuft das Lernen auf Hochtouren. Somit sind der Verzweigung neuer Nervennetze die besten Voraussetzungen gebahnt. 

Fazit

Patienten können nach einem Schlaganfall sehr von dem therapeutischen Potential des Integrativen Tango schöpfen und schneller wieder die verlorengegangenen Fähigkeiten zurückgewinnen. So ist es möglich, dass nach einem Kurs die Betroffenen wieder

  • flüssiger Sprechen können,
  • wieder Aktivität und Bewegung in den gelähmten Körperteil kommen,
  • wieder Leben in den gelähmten Teil des Mundwinkels kommt und
  • sich eine depressive Verstimmung bessert.

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